Zertifizierter Workshop
Raus aus dem Fokus SCHMERZ.
Achtsamkeitsbasierte Entspannungsverfahren in der Schmerztherapie für Kinder und Erwachsene
AES – achtsamkeitsbasierte Entspannungsverfahren in der Schmerztherapie
Raus aus dem Schmerz
Chronische Schmerzen bestimmen oft den Alltag der betroffenen Menschen. Viele Schmerzpatient/innen sind dauerhaft auf Schmerzmedikamente angewiesen. Diese können kurzfristig notwendig und entlastend sein, den Körper bei längerer oder hoher Einnahme jedoch zusätzlich belasten.
Genau hier setzt dieser Workshop an. Er zeigt ergänzende Wege auf, wie Menschen mit chronischen Schmerzen wieder mehr Einfluss auf ihr eigenes Erleben gewinnen können – nicht durch Kampf gegen den Schmerz, sondern durch Wahrnehmung, Entspannung, Umfokussierung und innere Regulation.
AES – achtsamkeitsbasierte Entspannung in der Schmerztherapie – ist ein unterstützendes Werkzeug, das Betroffenen helfen kann, neue Wege im Umgang mit Schmerz zu finden und die eigenen Regulationsmöglichkeiten bewusster zu nutzen.
Dabei geht es nicht um Ersatz, sondern um Erweiterung. AES versteht sich als ganzheitlicher Zugang, der Körper, Wahrnehmung und innere Prozesse miteinander verbindet und bestehende medizinische oder therapeutische Behandlungen sinnvoll ergänzen kann.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein neuer, hilfreicher Umgang mit Schmerz entstehen kann – jenseits von reiner Symptombehandlung und dauerhafter Orientierung an Schmerzmitteln.
Die Teilnehmenden lernen, wie sich der Aufmerksamkeitsfokus gezielt verändern lässt und welchen Einfluss dies auf die Wahrnehmung von Schmerz haben kann. Schmerzen werden häufig intensiver erlebt, wenn sie dauerhaft im Mittelpunkt stehen. Im Workshop geht es darum, diesen Kreislauf zu verstehen und Wege kennenzulernen, wie Betroffene wieder mehr Abstand zum Schmerz entwickeln können.
Ein Zugang über Körperwahrnehmung, Atmung und innere Offenheit
Stellen wir uns für einen Moment einen Säugling vor, der vollkommen entspannt daliegt und natürlich und tief atmet. Bei jedem Atemzug bewegt sich sein ganzer Körper, sein Blick ist wach und sein Gesicht sowie seine Körperhaltung sind offen und unvoreingenommen.
Er begegnet seiner Umgebung mit einer natürlichen Offenheit und reagiert auf die Impulse, die er von innen und außen erhält.
Dieses Bild erinnert daran, über welche natürlichen Kompetenzen Menschen grundsätzlich verfügen: Atmung, Körperwahrnehmung, innere Offenheit und eine lebendige Verbindung zu sich selbst.
Im Workshop geht es darum, ein Bewusstsein für diese natürlichen Fähigkeiten zu schaffen, sie wieder zugänglich zu machen und sie in die therapeutische, pflegerische oder pädagogische Begleitung einzubeziehen. Sie bilden eine wichtige Grundlage für ein gesundes Lern-, Entwicklungs- und Regenerationsumfeld in der Arbeit mit Entspannungsverfahren.
Das Prinzip achtsamkeitsbasierter Verfahren
Der Grundgedanke achtsamkeitsbasierter Verfahren besteht darin, dass vieles von dem, was Menschen denken, fühlen und tun, unbewusst und automatisch abläuft.
Der therapeutische Weg besteht darin, automatisierte und ungünstige Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster sichtbar zu machen – nicht, um das Symptom mit Druck zu bekämpfen, sondern um den Umgang damit zu verändern.
Gerade bei Schmerz zeigt sich oft, dass sich Symptome verstärken können, wenn sie unbedingt verschwinden sollen. Achtsamkeitsbasierte Verfahren setzen deshalb nicht auf Kampf, sondern auf bewusstes Wahrnehmen, wohlwollende Akzeptanz und einen inneren Standpunkt von Ruhe und Gleichmut.
Nicht das angespannte Wollen steht im Vordergrund, sondern das verstehende Wahrnehmen und das Annehmen dessen, was gerade da ist.
Das gilt für Schwierigkeiten beim Einschlafen, Juckreiz, Nervosität – ebenso wie für Schmerzen.
Ziel ist es, die innere Gegnerschaft gegenüber dem Symptom zu beenden und dadurch neue Wege aus dem Leiden zu eröffnen.
Alle achtsamkeitsbasierten Verfahren sind dabei:
- ressourcenorientiert statt defizitorientiert
- erfahrungsorientiert statt rein verständnisbasiert
Achtsamkeit bedeutet immer, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, ohne sofort verändernd eingreifen zu wollen.
Durch den Verzicht auf Bewertung und Analyse entsteht ein innerer Ruhepunkt. So wird aus passivem Erdulden wieder ein aktives Erleben und Annehmen.
Wenn das Bedürfnis nach Kontrolle dort losgelassen wird, wo es keinen hilfreichen Zugriff gibt, kann ein neuer Zustand von Balance entstehen. Auf diese Weise wird aus Schmerz nicht zwangsläufig Leid.
Für wen dieser Workshop geeignet ist
Dieser Workshop richtet sich an Kliniken, Reha-Einrichtungen und medizinische Institutionen, in denen Menschen mit chronischen Schmerzen begleitet oder behandelt werden.
Er eignet sich für Fachkräfte, Teams und Einrichtungen, die ihr Wissen um achtsamkeitsbasierte, körperorientierte und alternativmedizinisch ergänzende Wege im Umgang mit Schmerz erweitern möchten.
Die Fachkräfte erleben die Methoden zunächst bei sich selbst und entwickeln daraus ein tiefes Verständnis für die spätere Anwendung in der Arbeit mit Schmerzpatient/innen oder Klient/innen.
Auf dieser Grundlage wird vermittelt, wie sich diese Ansätze sicher und wirkungsvoll in der Arbeit mit Schmerzpatient/innen anwenden lassen – sowohl mit Erwachsenen als auch mit Kindern und Jugendlichen.
Ein besonderer Fokus liegt darauf, den Unterschied zwischen Wahrnehmung und Bewertung von Schmerz verständlich zu machen. Ebenso wird vermittelt, wie Schmerzpatient/innen erkennen können, was ihnen guttut, was entlastet und wie sie wieder mehr Einfluss auf ihr eigenes Erleben gewinnen können.
Inhalte des Workshops
1. Was ist Entspannung?
- Definition von Entspannung
- Anspannung und Entspannung
- Wie wirkt Entspannung auf die Psyche?
- Wie wirkt Entspannung auf den Körper?
- positive Effekte von Entspannung
- Kinder und Entspannung
2. Ziele körperlicher Entspannungsverfahren in der Schmerztherapie
- Erlernen von selbstinitiierter und willkürlicher Entspannung in Belastungssituationen
- aktive Kontrolle des physiologischen Aktivitätsniveaus zur Verringerung von Schmerzzuständen
- Aufbau von Selbstwirksamkeit und innerer Sicherheit
3. Einsatz in der Praxis: Für wen? Wann? Wie?
- Entspannung als fester Bestandteil etablierter Therapien bei chronischen Schmerzen
- Schmerzstörungen bei Kindern und Jugendlichen und die häufig damit verbundene ängstliche Körperaufmerksamkeit
- warum Entspannung nicht auf Befehl funktioniert
- Motivation und Zugänge im Umgang mit Jugendlichen
4. Entspannung einführen
- individuelle Herangehensweise: Was hilft welchem Menschen?
- Entspannung auch in anderen Lebensbereichen nutzbar machen
- Zusammenhang zwischen Stress, Muskelanspannung und Schmerz
- der Teufelskreis aus Schmerz und körperlicher Anspannung
5. Entspannungstechniken – achtsamer Umgang mit dem Körper
- sensorische Entspannung: Progressive Muskelentspannung
- Biofeedback und Bauchatmung
- kognitive Entspannung: Autogenes Training und meditative Verfahren
- imaginative Verfahren und Entspannungsgeschichten
6. Achtsamkeitsbasierte Schmerztherapie
- die sechs Grundgedanken der ABST
- die sieben Achtsamkeitsschritte
- Methoden und Folgen der sieben Aspekte therapeutischer Achtsamkeit
- Anwendung in der Praxis
7. Progressive Muskelrelaxation
- Hintergrund
- Vorgehen
- Anwendung: „Kurzer Jakob“ mit vier Muskelgruppen
- Erklärung, Instruktion und bildhafte Begleitung
8. Welche Rolle spielt Entspannung bei Burnout, Depression, Migräne etc.?
9. Autogenes Training
- Hintergrund
- Vorgehen
- Anwendung und Übungen der Grundformeln
10. Imaginative Verfahren
- Hintergrund
- Vorgehen
- Anwendung: schmerzignorierend, schmerztransformierend, schmerzintegrierend
- Entspannungsgeschichten
- der sichere Ort mit allen fünf Sinnen